Das digitale Zeitalter

Industriezeitalter, Informationszeitalter, allmählich sind wir im digitalen Zeitalter angekommen. Das erkennt inzwischen wohl jedermann, auch die Regierungen weltweit erkennen das.

Viele allerdings leugnen die Prozesse der technischen Evolution. Ob eine solche Haltung etwas mit reinem Konservativismus zu tun hat, können vielleicht Soziologie und Psychologie klären. Auf jeden Fall steht fest, dass neben persönlichen Ansichten auch massive Profit- und Machtinteressen im Spiel sind.

Tatsächlich gab es solche Meinungen, zum Beispiel sagte Kaiser Wilhelm der Zweite (1859 – 1941), „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“.

Dass Macht- und Profitinteressen im Spiel sind, zeigt sich sehr deutlich am Beispiel der Diskussionen um die sogenannten Kryptowährungen.

Bei Banken dürfte es sich in erster Linie um Profitinteressen handeln. Transaktionsgebühren sind eine signifikante Einnahmequelle für Banken.

Wenn jedoch ein Satoshi Nakamoto ein Geldsystem erfindet, das ausschließlich digital und unter Ausschluß der Banken als Intermediäre, das also „Peer-to-Peer“ funktioniert, dann verliert die Bank ihren Gebührenanspruch, weil sie ganz einfach nicht dabei ist.

Machteinbuße dagegen ist das Thema von Regierungen. Bei der Nutzung von Kryptowährungen funktioniert der gläserne Bürger nicht mehr so richtig. Es leidet die Kontrollmöglichkeit über unsere Privatsphäre.

Beide Phänomene kommen ganz massiv jedem einzelnen Bürger zugute, der sich mit der Nutzung von digitalem Geld auseinandersetzt. Wer das tut, wird bei der Frage feststellen, welches Geld die Funktionen Tauschmittel, Wertaufbewahrung und Recheneinheit am besten erfüllt, dass Kryptowährungen klare Vorteile gegenüber staatlichen Währungen bieten.

Es liegt auf der Hand, dass weder Gold, noch Silber und ganz bestimmt auch nicht das Zentralbankgeld der Staaten, das auf veralteten IT-Systemen, auf Papierscheinen oder Metallmünzen beruht, das Geld der Zukunft im digitalen Zeitalter sein können.

Ob die Blockchain Technologie sich im praktischen Wirtschaftsleben durchsetzen wird, werden die nächsten paar Jahre zeigen. Im Finanzwesen jedenfalls gehört die Zukunft den Kryptowährungen.

 

Die Blockchain Idee

Geld ohne Staat liess sich nur mit der Blockchain realisieren. Bitcoin nicht ohne Blockchain, jedoch auch: Blockchain nicht ohne Bitcoin.

Allerdings gehen die mit den Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain Technologie verbundenen Visionen ganz weit über alles hinaus, was im Zusammenhang mit Kryptowährungen als >Revolution< bezeichnet wird.

Nicht umsonst wird dieser Technologie das Potenzial nachgesagt, Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend zu verändern.

Noch sind es größtenteils nur Visionen, wobei die Umsetzung in einzelnen Bereichen und Regionen unterschiedlich weit fortgeschritten ist.

Zunächst grundsätzlich. Was ist das Besondere, das Revolutionäre an der Blockchain Technologie?

Der fundamentale Unterschied zu allem, was wir bisher kennen und gewohnt sind, ist der Unterschied zwischen ZENTRAL und DEZENTRAL. Unternehmen, Behörden, Regierungen, eigentlich alles, sind zentral gesteuert und verwaltet. Die reine Form der Blockchain Technologie lässt sich vergleichen mit einer perfekten Demokratie.

Nicht eine Zentrale steuert und entscheidet, sondern, in der unveränderten Grundform der Technologie, Millionen  von Menschen, die diese Technologie mit ihrer Rechnerleistung unterstützen. Natürlich sind alle möglichen Variationen und Abwandlungen des technologischen Grundgedankens der Blockchain denkbar, die Unternehmen und Staaten für eigene Zwecke untersuchen.

Beispiele für einzelne Visionen:

Jeder Verbraucher wird feststellen können, an welchem Baum dieser Welt, die Orange gewachsen ist, die er gerade im Supermarkt kauft,

Wahlen via Blockchain werden nicht manipulierbar sein,

Grundstücke, Häuser und Wohnungen, hinterlegt auf der Blockchain, werden ohne Notar und ohne Makler >Peer-to-Peer< zwischen Verkäufer und Käufer gehandelt werden können,

Verträge, sog. >Smart Contracts< werden unveränderbar auf der Blockchain gespeichert und können als gültige Muster verwendet werden, ohne dass ein Notar oder z.B. eine Musikagentur erforderlich wäre, Vertragspartner wäre nur der Grundstücksinhaber oder der Komponist,

Ein geleastes Auto kann nicht mehr gestartet werden, wenn eine Leasingrate überfällig ist,

Ein Kühlschrank und eine Heizung wären in der Lage, Bestellungen beim Supermarkt oder beim Heizöllieferanten aufzugeben und selbständig zu bezahlen.

Unternehmensinterne Abläufe und Kosten können massiv gesenkt werden.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Vermutlich gibt es heute keine Bank mehr, keine Versicherung, kein Transportunternehmen, keinen Energielieferanten und kein sonstiges mittleres oder großes Unternehmen, das sich noch nicht mit Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain Technologie für innerbetriebliche Zwecke auseinandersetzt. Erste Beispiele gibt es bereits. Allerdings wird die Entwicklung wahrscheinlich noch einige Jahre andauern.

Man spricht von einer >disruptiven< Technologie. Wikipedia sagt: „Disruptive Technologien sind Innovationen, die die Erfolgsserie einer bereits bestehenden Technologie, eines bestehenden Produkts oder einer bestehenden Dienstleistung ersetzen oder diese vollständig vom Markt verdrängen.“ Vermutlich haben alle Intermediäre begonnen, sich über ihre berufliche Zukunft Gedanken zu machen.

Was ist dran an Bitcoin und Co?

Seit nunmehr fast 10 Jahren beherrscht Bitcoin die Medienlandschaft. Nachdem sich der schwankende Kurs von 20.000 US-$ auf derzeit um die 6000 US-$ herunter bewegt hat, ist es in der öffentlichen Diskussion einigermaßen still geworden. Zeit zum Reflektieren.

Automatisch stößt man dabei auf die Sicht der Wiener Schule für Volkswirtschaft, die viele Jahre vor Bitcoin & Co eine unabhängige Geldwirtschaft gefordert hat, unabhängig von Einflüssen, die mit der ureigentlichen Bestimmung von Geld als Tausch- und Aufbewahrungsmittel nichts gemein haben.

Hat sich doch heute das Geld von dieser Bestimmung gelöst und dient in erster Linie politischen Ambitionen und Machtübungen, mit der Folge, dass alle die Menschen, die bestimmungsgemäß nur tauschen oder sparen wollen, immer mehr Geld für ihre Produkte ausgeben oder feststellen müssen, dass ihr Geld immer mehr an Wert verliert.

Aber nicht nur Inflation, sondern alle möglichen staatlichen Manipulationen, die die ständig wachsende Geldmenge ermöglicht, Zinsen, Bargeldabschaffung, gläserner Bürger, zunehmender Verlust der Privatsphäre befördern den Verlust von Vertrauen  – das Diktat des Monopols.

Viele Jahre später wird die Idee der Wiener Schule Realität. Geld ohne Staat. Eine neue Technologie mit dem Potenzial, Wirtschaft und Gesellschaft komplett zu verändern. Polypol statt Monopol. Weltweit komplett dezentral.

Verlagerung der Verantwortung für das eigene Geld. Eine neue Selbstbestimmung.  Eine Idee, die unglaublich erscheint, weil wir anderes gewohnt sind, weil wir ganz anders erzogen wurden.

Mit viel Skepsis wird der Gedanke an eine neue Freiheit begleitet, während mutige Unternehmer die Entwicklung beschleunigen. Neue Technologien brauchen Zeit.

Zukunft? Konservativ oder progressiv?

Nur keine Eile. Erst noch die Dieselproduktion optimieren. Elektroauto später. Sind das die Vordenker der Nation? Die haben nichts aus der Geschichte gelernt. Kaiser Wilhelm II sagte: „Ich setze mehr aufs Pferd, das Automobil läuft sich tod“. Schallplatte, Schreibmaschine & Co sind weitere aus unendlich vielen Beispielen. Die Vermögenswerte dieser „Denker“ lösen sich auf. Das ist nicht Zauberei, das nennt man Disruption.

Beharrungsvermögen wird bestraft, nur Pioniergeist wird belohnt. Der erfolgreiche Unternehmer ist nicht konservativ, er ist progressiv oder nicht erfolgreich.

Die Kurse am Kryptomarkt pendeln derzeit orientierungslos vor sich hin. Dennoch gewinnt die Idee einer neuen Währung der weltweiten Finanzinfrastruktur an Popularität. Und das trotz der Leistung der US-Wirtschaft unter ihrem derzeitigen Präsidenten.

Mittlerweile wird spekuliert, nein von Kennern vorausgesagt, dass die Welt eines Tages auf einem einzigen Finanzsystem basieren wird, wobei Bitcoin der wahrscheinlichste Kandidat sein wird.

Manche Analysten sehen ein Ende der Dollar-Ära voraus und sehen zunächst den chinesischen Yuan als Nachfolger. Der wachsende Einfluss Chinas auf die Ölindustrie, die wachsende Macht Chinas in den Entwicklungsländern, die angespannte Beziehung zwischen den USA und einer wachsenden Zahl von Ländern sind die wichtigen Gründe für diese Einschätzung.

Andererseits haben Länder, die eine starke Inflation erleben, ihren Glauben an Bitcoin bereits unter Beweis gestellt. Der Zugang zu Bitcoin kann von Regierungen erschwert, jedoch nicht verhindert werden. Der dezentrale Charakter ist nur einer der vielen Aspekte, die Bitcoin zu einer potentiell überlegenen globalen Währung machen.

Heute bleibt abzuwarten, ob der Bitcoin eines Tages andere Währungen ersetzen oder „friedlich“ neben den drei anderen koexistieren wird.

Banken im Blockchain-Rausch

Während Lori Beer, CIO von JP Morgan (Verantwortlicher für das Informations- und Kommunikationsmanagement), der größten der 4 großen Investment-Banken, am 23. August auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires noch sagte, dass die Blockchain in einigen Jahren die bestehende Technologie ersetzen werde, emittiert die Weltbank bereits die weltweit erste reine Blockchain-Anleihe.

Beer sagte wörtlich: „In ein paar Jahren wird die Blockkette die bestehende Technologie ersetzen, heute existiert sie bereits neben der aktuellen“.

Beer erklärte, dass JP Morgan die Blockchain-Technologie einsetzt, um „den Zahlungsprozess zu vereinfachen und Kundeninformationen im Zusammenhang mit der KYC-Politik (Know Your Customer) zu speichern“. Beer fügte hinzu, dass die Blockchain-Technologie dazu beiträgt, Geldwäsche zu verhindern.

Im Mai meldete JP Morgan Chase ein Patent für ein blockchainbasiertes Peer-to-Peer-Zahlungsnetzwerk an, das für die Abwicklung innerhalb und zwischen Banken genutzt werden könnte. Die Patentanmeldung schlägt vor, ein dezentrales Ledger zu verwenden, um Zahlungen in Echtzeit abzuwickeln, ohne sich auf einen vertrauenswürdigen Dritten verlassen zu müssen, ein Konzept, dass im Wesentlichen dem Ursprungsgedanken des Satoshi Nakamoto (Bitcoin Whitepaper) entspricht.

Die erste öffentliche Anleihe der Welt, die nur mithilfe der Blockchain Technologie erstellt und verwaltet wird, hat der Weltbank mehr als 80 Millionen Dollar eingebracht. James Wall, CEO der Commonwealth Bank, sagte, dass diese Emission Erwartungen und Interesse bei weitem übertroffen habe.